VORHANG AUF FÜR DEN 1. GÖTZ GEORGE PREIS

Ein Bericht aus dem Zuschauerraum von Anja Lamm

Welcher Tag eignete sich besser für die Verleihung des 1. GÖTZ GEORGE PREISES als der 23. Juli 2018 – der Tag, an dem Götz George seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte. Ein besonderes Datum für einen ganz besonderen Preis und eine Premiere, die dem Namensgeber der Stiftung und des Preises sicherlich gefallen hätte. Der Götz George Preis soll in seinem Sinne vor allem ältere Schauspielerinnen und Schauspieler ehren und an ihre Verdienste und ihre Besonderheiten erinnern. Er soll nach dem Willen des Stiftungsvorstands – Marika George, Tanja George und Christiane Waldbauer – ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung setzen und aufmerksam machen auf reichhaltige, künstlerische Ressourcen.

Geehrt wurde an diesem Abend die große Theater-/ Film- und Fernsehschauspielerin Karin Baal vor 200 geladenen Gästen in der eleganten Atmosphäre der ASTOR Film Lounge am Kürfürstendamm in Berlin.

Karin Baal, Preisträgerin des ersten

GÖTZ GEORGE PREISES

Mit dabei waren neben Familie und Freunden von Götz George auch zahlreiche Schauspieler-, Film- und Theaterkollegen: Iris Berben (Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie),  die Schauspieler Klaus J. Behrendt, Clemens Schick, Alexander Scheer, Sylvester Groth, Carolyn Genzkow, Joachim Luger, Reiner Schöne und Angela Roy, die Regisseure  Hajo Gies, Petra Wagner und Torsten C. Fischer sowie die Produzenten Dr. Dietrich Kluge und Markus Trebitsch.

Einige der Geladenen konnten leider nicht dabei sein und wurden per Video-Botschaft hinzu geschaltet, um anlässlich dieser Premiere ein paar Worte an die Stiftung und das Publikum zu richten:

„Ich finde es wunderbar, an ältere Kollegen zu denken und die zu prämieren. Vor allem auch Kollegen, die man einfach nicht mehr sieht, weil es in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft immer weniger Raum gibt, auch für ältere Kollegen. Deswegen freue ich mich riesig über diesen Preis; dass Ihr den ins Leben gerufen habt. Und so auch einfach Götz beständig bei uns bleibt und ist.“
Claudia Michelsen
Film- und Theaterschauspielerin
„Ich bin stolz auf den Preis, liebe Marika. Ich bin sehr stolz, dass Du im Geiste von Götz die Arbeit so toll fortsetzt. Es ist ein stolzer Abend für alle Beteiligten und ich glaube, wenn Götz heute Abend zuschaut, wird er das sehr, sehr toll finden.“
Nico Hofmann
Regisseur, Produzent und Geschäftsführer der UFA GmbH
„Wenn ich an Götz denke, denke ich vor Allem an seine Empathie für andere Menschen, auch fremde Menschen. Götz hat mitbekommen, wenn jemand Liebeskummer hatte, Götz hat mitbekommen, wenn jemand besonders traurig oder besonders fröhlich war. Und deshalb passt es auch so gut, dass seine Stiftung in seinem Namen an Schauspielerkollegen denkt, die vielleicht nicht so viel zu tun haben, wie er immer zu tun hatte und ist daher ein gutes Sinnbild für das, wie er mit seinen Mitmenschen umgegangen ist.“
Andreas Kleinert
Autor und Filmregisseur

Durch die feierliche Veranstaltung führte Filmkritiker und Moderator Knut Elstermann, dessen sympathische Moderation der Preisvergabe einen würdigen Rahmen verlieh. Nach Begrüßung der Gäste gab er Raum für Erinnerungen an Götz George, indem er  Hajo Gies, Carolyn Genzkow und Klaus J. Behrendt auf die Bühne bat.

Carolyn Genzkow war 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal mit Götz George spielte: „Ich hatte da noch gar keinen Plan, wer so berühmte Schauspieler in Deutschland sind, aber es ist ja auch toll, wenn jemand einen so beeindruckt, ohne dass man das aufgrund der Vorgeschichte vorwegnimmt – das war wirklich toll, ihn kennenzulernen!“

Klaus J. Behrendt blickte zurück auf seine erste Begegnung mit Götz George, bei der er sich als Anfänger fühlte und Götz als Großen, sehr weit oben empfand. Besonders intensiv ist ihm die Zeit in Erinnerung geblieben, als sie gemeinsam den Film „Mein Vater“ drehten. Er begrüßte die Idee der Stiftungsgründung und des Stiftungszwecks sehr, da es der Mehrzahl der Schauspielkollegen finanziell überhaupt nicht gut gehe: „Gerade älteren Kolleginnen und Kollegen so einen Preis zu geben – also erst mal diesen Startschuss zu geben in diese Richtung: wir sind für Euch da und wir versuchen was – das finde ich ganz toll.“

Auf die Frage von Knut Elstermann an Regisseur Hajo Gies, was dem Schimanski-Vater an so einem Tag durch den Kopf gehe, schloss dieser seine Retrospektive mit den Worten: „Er ist ja weggeflogen in Duisburg in seinem letzten Schimanski – und ich hoffe, dass er hier jetzt zuguckt und eventuell startet und hier einfliegt.“

Knut Elstermann, Carolyn Genzkow, Hajo Gies und Klaus-J. Behrendt

Und genau dieses Gefühl spürte jeder an diesem Abend – Götz George war präsent. Dieser Eindruck vertiefte sich, als Schauspieler und Liedermacher Klaus Hoffmann die Bühne betrat und mit der Gitarre eine ausdrucksvolle Ballade anstimmte, die er Tochter Tanja George widmete: „Weil du nicht bist wie alle andern.“ Titel und Zeilen des Liedes beschreiben aber ebenso seinen Freund Götz George wie auch die zu diesem Zeitpunkt als Preisträgerin noch ungenannte Karin Baal. Stimme, Text und Melodie rührten nicht nur Tanja George, sondern den ganzen Saal.

Klaus Hoffmann / Sänger und Komponist
Marika George, Knut Elstermann

Knut Elstermann bat Marika George, Vorstandsvorsitzende der Götz George Stiftung, auf die Bühne, die alle Gäste herzlich begrüßte: „An diesem Tag hätten wir den 80. Geburtstag meines wunderbaren Mannes gefeiert, aber wir sind heute hier in Erfüllung einer ganz besonderen Aufgabe seiner Stiftung. Wir möchten den ersten Götz George Preis vergeben für eine wunderbare Schauspielerin, um eine Persönlichkeit zu würdigen, die lange nicht zu sehen war und Großartiges geleistet hat. Wir möchten mit diesem Ehrenpreis ein verdientes, bewegtes Schauspielerleben ehren. Das wäre genau im Sinne meines Mannes gewesen.“
Zu den Aufgaben der Stiftung befragt, beschrieb Marika George den Wirkungsbereich und einige exemplarische Förderprojekte.

Als nächste wurde Tanja George auf die Bühne gebeten, um als bildende Künstlerin, die seit 30 Jahren in Melbourne kreativ arbeitet und lebt, über Idee und Inspiration des Preises zu sprechen, den sie persönlich designed und von Hand gefertigt hat. Diese Skulptur ist ein jährlich neu von ihr angefertigtes Unikat und mit 10.000 Euro dotiert. Als Inspiration diente Tanja George die schwungvolle Unterschrift ihres Vaters: „Der wunderschöne Schriftzug von Götz hat auf der einen Seite eine Stärke, aber auch eine Verspieltheit und hier kam dann auch das Material dazu.“

Götz George Preis
Tanja George

Die fließende Weichheit von Götz Georges Handschrift in der Kombination mit Edelstahl als Material spiegele für die Künstlerin seine Persönlichkeit symbolisch wider: Sensibilität und Weichheit gepaart mit Stärke und Gradlinigkeit – Eigenschaften, für die sie ihn sehr bewundert und ohne die er diesen Beruf nicht hätte ausüben können.

Bevor der Abend sich dem Höhepunkt zuneigte, sprach der Gewinner des ersten Götz George Nachwuchspreises Jonas Dassler in einer Video-Botschaft seine Bewunderung für die ältere Schauspielergeneration aus: „…ich finde es umso schöner, dass der Götz George Preis jetzt verliehen wird und zwar an eine Generation, bei der ich mir alles abgeschaut hab‘ und ohne die ich, glaube ich, das gar nicht machen würde, was ich jetzt vielleicht machen darf.  Ganz lieben Dank an dieser Stelle an die Generation von Schauspielern, Schauspielerinnen und Filmemachern.“

Jonas Dassler

Und dann war er gekommen – der große Moment, als Knut Elstermann die schon mit großer Spannung erwartete Preisträgerin verkündete: „Der erste GÖTZ GEORGE PREIS geht an …. KARIN BAAL!“ Es ertönte ein langanhaltender, begeisterter Applaus. Nachdem der gesamte Stiftungsvorstand der sichtlich gerührten Preisträgerin persönlich gratuliert hatte, wurde auf der Leinwand ein beeindruckendes Kaleidoskop filmischer Höhepunkte aus Karin Baals Karriere eingeblendet: „Die Halbstarken“ (1956), „Die junge Sünderin“ (1960), „Straße der Verheißung“ (1962 mit Mario Adorf), „Ein Jahr ohne Sonntag“ (Fernsehserie 1969/70 mit Götz George)„Berlin Alexanderplatz“ (1979/80), „Hurenkinder“ (2007). Die darstellerische Vielfalt und Intensität, das breite Spektrum ihrer Rollen, die emotionale Dichte und Ausdrucksstärke in den gezeigten Filmausschnitten zogen das Publikum völlig in den Bann und waren auch beliebtes Gesprächsthema beim anschließenden Empfang.

Der Bühne und Publikum erobernde Armin Rohde begann alsdann in der ihm eigenen Art mit seiner ebenso humorvollen wie ehrerbietenden Laudatio:

„Liebe verehrte Karin Baal. Sie kennen mich vielleicht nicht, aber ich kenne Sie. Und zwar war das mit den Halbstarken damals und da hab ich mich verknallt. Sie haben im Laufe Ihres langen Berufslebens gezeigt, dass Sie weitaus mehr drauf haben als die Halbstarke. Ich fand damals, dass in einem Augenaufschlag von Ihnen mehr Sex-Appeal war als im Striptease von 10 anderen Leuten. Was Sie hinkriegen ist, auf der einen Seite unglaublich authentisch zu sein, unglaublich aufzumachen , eine unglaubliche Kraft zu entwickeln, aber immer behalten Sie Ihr Geheimnis. Für diesen Beruf braucht man ja einerseits eine Empfindlichkeit wie ein neugeborenes Baby und auf der anderen Seite eine Haut wie ein Krokodil, um zu überleben; und Sie haben auf eine Art und Weise überlebt in allen Höhen und Tiefen, die das Leben so mit sich bringt. Sie haben sich nie verbiegen lassen. Sie haben nicht klein beigegeben. You are still standing. Meinen tiefsten Respekt. Meine tiefste Liebe.“

Daraufhin gestand er dem Publikum und der Preisträgerin mit einem Augenzwinkern, dass er eigentlich nur die zweite Wahl als Laudator gewesen sei und kündigte seinen Kollegen Mario Adorf an, der per Video-Botschaft mit seinem Charisma und seiner Präsenz auf der Leinwand den ganzen Raum füllte. Mario Adorf erinnerte in seinem Glückwunsch an die großartige Künstlerin daran, dass er vor 60 Jahren in „Das Mädchen Rosemarie“ zum ersten Mal gemeinsam mit ihr vor der Kamera stand:
„Heute bekommst Du nun diesen besonderen Götz George Preis, den Du, wie alle Preise, für Deine schauspielerische Leistung verdient hast. Aber diesmal eher für Dein Leben. Das bewegte, bewegende Leben, das Du immer wieder gemeistert hast, wofür ich Dich bewundert habe. Ein echtes Aufstehweib! Nun, ich kann Dir heute nur aus dem Süden zuwinken.
Lass Dich feiern und leb weiter so!“

Danach übernahm Armin Rohde wieder das dramaturgische Zepter und zitierte die Entscheidungsbegründung der Stiftung: „Karin Baal bekommt die Auszeichnung für ihre besondere Art der Schauspielkunst, ehrlich und direkt; dafür, dass sie sich schonungslos und mit berührender Hingabe ihren Figuren öffnet und dadurch feinste Nuancen ihrer großen Gefühlskala sichtbar macht; für die Kraft, mit der sie den tiefsten Ursprung von Handlungsweisen ergründet und diese durch ihre Darstellung dem Publikum nahe bringt; dafür, dass sie ihre Kunst und sich nie aufgegeben hat, obwohl ihr darstellerisches Potential seltener gefordert wurde, als sie es verdient hätte. Für eine großartige Schauspielerin und bewundernswerte Frau vergibt die Götz George Stiftung mit großer  Hochachtung den Götz George Preis an Karin Baal.“

Jetzt tobte der Saal. Von frenetischem Applaus und lauten Bravo-Rufen begleitet betrat eine sichtbar bewegte Karin Baal an der Seite ihres Sohnes, Thomas Baal, die Bühne. Die ehrliche Begeisterung des Publikums und die – durch minutenlange Standing Ovations – so deutlich zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung der Preisträgerin war eine für alle spürbare Bestätigung dafür, dass die Stiftung die richtige Wahl getroffen hatte.

Karin Baal bedankte sich für die Anerkennung und erinnerte mit leuchtenden Augen an die gemeinsame Arbeit mit Götz George: „Wir waren zusammen in der Schauspielschule. Da hieß er noch Putzi. Dann haben wir zusammen Theater gespielt und es war nicht wie ein normales Theater, sondern es wurde richtig gelebt. Die Leute waren uns in dem Moment völlig egal. Wir haben uns in die Augen geschaut. Also ich hab so etwas noch nicht erlebt von einer Schauspielerei. Er hat ja auch zwischen den normalen Sachen improvisiert und das hat mir einen unheimlichen Spaß gemacht und das hab ich auch getan.“ Auf die Frage Knut Elstermanns hin, was es ihr bedeute, erste Preisträgerin dieses Preises zu sein, antwortete sie ebenso bescheiden wie glücklich: „Also ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Dass ich so was von so einem großen Mann, der so ernsthaft war und nebenbei so lustig, bekomme, ja und dann so spät in meinem Leben, ich finde das wunderbar!“

Der Abend endete mit Blitzlichtgewitter, Interviews und Fernsehkameras und das Echo der Gäste war einstimmig: Eine großartige Schauspielerin. Eine verdiente Preisträgerin. Bewegende Momente auf der Leinwand und im Saal. Gute, auch manch tiefsinnige After-Show Gespräche. Und einer, der allen fehlte…

Hier finden Sie weitere Impressionen des Abends.

Der Dank der GÖTZ GEORGE STFTUNG geht an:
Network Movie
ASTOR Film Lounge
Bavaria Fiction
Cinnamon
Gitta Deutz /PR
NDR Hamburg
Radio Bremen Fernsehen
WDR