Götz George Preis 2021

„Es ist bescheuert, dass ich schon so alt bin. Ich würde sofort wieder anfangen – von vorne. Alles genauso!“

Gudrun Ritter

Berlin, 21.11.2021
Preisträgerin Gudrun Ritter

Ein Begrüßungsjubel zu Beginn der Veranstaltung für die GÖTZ GEORGE STIFTUNG und deren Vorsitzende Marika George läutete diese nunmehr 4. Preisverleihung in der Stiftungsgeschichte ein. Das Gefühl, in diesen beängstigenden Corona-Zeiten – und unter 2G+ – Auflage – vereint etwas Positives erleben zu können, begleitete die erwartungsvollen Gäste und Akteure durch den ganzen Abend.

Marika George
Kaiserin-Friedrich-Haus

Dies ließ auch Marika George in ihrer charmanten Begrüßungsrede durchblicken. Sie war froh, den Preis endlich wieder in einer größeren Runde vergeben zu können – noch dazu in dem schönen, altehrwürdigen Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin-Mitte.

Berlins bekannter und geschätzter Kulturjournalist und jahrelanger Unterstützer der Stiftung,
Knut Elstermann, zeigte in seiner Moderation, wie sehr sein Herz für die zukünftige Preisträgerin und aber auch für die Belange der Stiftungsarbeit schlägt.

Knut Elstermann

So berichtete er über die gemeinsame Online-Diskussion „Und bitte! – Mehr Schauspielerinnen ab 50 in Kino, Streaming und Fernsehen“ in Kooperation mit WIFT, dem BFFS und den Hofer Filmtagen und bat zu dem Thema Ilona Schulz und Ilknur Boyraz auf die Bühne. Die beiden Schauspielerinnen ließen keinen Zweifel daran, dass der Weg zur Gendergerechtigkeit noch lang ist. „Es bricht ein neues Bewusstsein auf – aber es eiert noch“ so Ilona Schulz. „Guckt hin! Wir sind bunt, wir sind die 68er, die jetzt alt werden!“ Und Ilknur Boyraz forderte, dass man sich traut, Geschichten zu kreieren und zu erzählen, denn sie prägen die Vorbilder und Vorstellungen der jungen Mädchen von heute. Moderator und Zuschauer reagierten mit uneingeschränkter Zustimmung.

Ilknur Boyraz , Ilona Schulz und Knut Elstermann
Ilknur Boyraz und Ilona Schulz

Knut Elstermann verriet, dass es eigentlich heute zwei Gründe zum Feiern gibt: Zum einen natürlich die Preisvergabe, zum anderen den 85. Geburtstag von Gudrun Ritter am 16. November. Deshalb wurde mit ihrem Lieblingsgetränk, einem Eierlikör, angestoßen. Und das Publikum prostete ihr mit imaginären Gläsern zu.

Nun begann der mit Spannung erwartete große Moment und die beiden wundervollen Schauspieler, Dagmar Manzel und Sylvester Groth, betraten die Bühne.

„Du bist für mich die Schauspielerin, die mich zu diesem Beruf gebracht hat… Du bist eine außergewöhnliche Schauspielerin, humorvoll, berührend und mit einem einzigartigen Lachen… Das alles hat mich geprägt“ so Dagmar Manzel in ihrer Laudatio für Gudrun Ritter.

Laudatoren Sylvester Groth und Dagmar Manzel

Und Sylvester Groth erzählte, dass er als Student im selben Haus wie Gudrun Ritter wohnte und für die verehrte Künstlerin damals ein Päckchen mit Leichners Abschminke entgegennahm, das „nach Westen roch“. Groth hatte sie erstmals 1977 in Zwei Krawatten auf der Bühne des Deutschen Theaters erlebt und sich „sofort in sie verliebt“.

Dagmar Manzel
Uwe Hilprecht

Ein besonderes und sehr persönliches Geschenk überbrachte Dagmar Manzel mit Unterstützung des früheren musikalischen Leiters des Deutschen Theaters, Uwe Hilprecht: das bezaubernde Theaterlied Als ich zur Bühne die Bahn mir brach, das alle Facetten von Manzels Schauspielkunst zum Leuchten brachte. Ebenso wie das einst von Marlene Dietrich gesungene und von Friedrich Holländer komponierte Lied Wenn ich mir was wünschen dürfte.

Im Anschluss verkündete Sylvester Groth die Begründung der Jury der GÖTZ GEORGE STIFTUNG.

Auszug:
„Es ist diese feinsinnige Erkundung, mit der Gudrun Ritter zahllose Charaktere in unvergesslichen Verkörperungen gestaltet und damit das Publikum immer wieder neu auf allen Handlungsebenen beschenkt und überrascht. Gleichermaßen berührend sind Darstellungen, etwa von Skurrilität oder sympathischer Schlichtheit, von fast unmerklichen Stimmungsbrüchen und emotionalen Gratwanderungen.“

Im ausführlichen filmischen Portrait konnten alle die enorme Bandbreite, die Vielschichtigkeit, die Entwicklung der in Marienberg im Erzgebirge geborenen Gudrun Ritter nachvollziehen: von ihren Anfängen am Deutschen Theater 1959, über die jahrzehntelange Zugehörigkeit zu diesem Haus, dem Berliner Ensemble, den vielen Rollen in Kino- und Fernsehfilmen, wie Polizeiruf, Bella Block, Als der Fremde kam, Tiefe Furchen, Boxhagener Platz, um nur einige zu nennen.

Jedoch wurde klar, dass ihre wahre Liebe dem Theater galt. Sie arbeitete unter Friedo Solter, Leander Haußmann, Claus Peymann und besonders gern mit Wolfgang Langhoff.

Der Präsident der Deutschen Filmakademie und Kollege am Deutschen Theater Ulrich Matthes beschrieb es überaus zutreffend, indem er über ihre Rollengestaltung vom doppelten Boden sprach: „eine Ebene ist die ganz direkte, die andere verbirgt alle Geheimnisse und Narben der Figur, die sie spielte.“

Gudrun Ritter und Ulrich Matthes

„Ich habe kein Rezept, entweder es passiert was oder nicht!“ – so Gudrun Ritter in ihrer eigenen Art zu diesem Thema.

Nach großem Beifall, Blumen und Umarmungen erhält Gudrun Ritter den mit 10.000 Euro dotierten Ehrenpreis der GÖTZ GEORGE STIFTUNG für ihr Lebenswerk. Die zu Tränen gerührte Schauspielerin:
„Vielen Dank für diesen Preis. Ich würde jetzt gern mit Götz George einen Eierlikör trinken!“

Marika George und Gudrun Ritter
Marika George, Sylvester Groth, Gudrun Ritter und Dagmar Manzel
Marika George, Sylvester Groth, Gudrun Ritter und Dagmar Manzel
Sylvester Groth, Gudrun Ritter und Franziska Ritter

Und dann folgte ein sehr intimer, persönlicher Auftritt. Enkel Moritz Ritter dankte seiner Oma, für alles, was sie ihm mit auf den Weg gegeben und wie sie ihn geprägt hatte. „Du bist mein Vorbild… Deine Liebe und Hingabe zu Literatur und Dramatik, zum Wort und zur Sprache hast Du an mich weitergegeben…“

Moritz Ritter

Nach einem musikalischen Ausklang durch Dagmar Manzel und Uwe Hilprecht strömten die zahlreichen Zuschauer in die Bars und zum opulenten Büffet des sehr empfehlenswerten Restaurants Friedhard’s, um bei gutem Wein, äußerst wohlschmeckendem Essen und anregenden Gesprächen den Abend fortzuführen. Dabei lobten alle Anwesenden die persönliche, fast familiäre Atmosphäre der Feier.

Zazie de Paris

Als quasi musikalisches Dessert erfreute die Sängerin und Schauspielerin Zazie de Paris die überraschten Gäste mit dem berühmten Chanson La vie an rose von Edith Piaf. Beim folgenden Padam, Padam summten und wiegten sich die Zuhörer im Takt der Musik. Ein beglückender, großartiger Abend neigte sich dem Ende und es blieb bei allen Anwesenden ein Gefühl der Zuneigung für die Arbeit der GÖTZ GEORGE STIFTUNG und für eine unverwechselbar wunderbare Preisträgerin!

Yvonne Brüning, 21. November 2021

Weitere Impressionen:

Gudrun Ritter, Marika George
Zazie de Paris
Anne Leppin, Adriana Altaras, Maria Köpf
Bertram Pfister, Andreas Kleinert, Adriana Altaras
Gudrun Ritter, Leander Haußmann
Anna Brüggemann
Leander Haußmann und Freunde
Brigitte Janner, Hajo Gies
Ilknur Boyraz und Petra Wagner
Götz George Preis - gestaltet von Tanja George
Moritz Ritter, Gudrun Ritter
Gudrun Ritter, Franziska Ritter
Ulrich Matthes, Christine Schorn
Kaiserin-Friedrich-Haus
L. Haußmann, M. Lüttgemann, M. C. Brehmer, C. Peymann B. Janner, S.Tambrea, A. Dwyer

Fotos: © Götz George Stiftung

GÖTZ GEORGE PREIS