GÖTZ GEORGE PREIS 2026
„Meine Gedanken sind heute Abend bei Dir, lieber Götz, denn letztendlich bist Du es doch,
dem ich all das, was mir hier geschieht, zu verdanken habe.“
Christian Redl
Am 14. September 2026 wurde Christian Redl im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin mit dem GÖTZ GEORGE PREIS 2026 ausgezeichnet. Die GÖTZ GEORGE STIFTUNG ehrte damit einen Schauspieler, dessen unverwechselbare Präsenz und Ausdruckskraft seit nahezu sechs Jahrzehnten auf der Bühne, im Film und im Fernsehen zu erleben sind. Unter den rund 160 Gästen waren zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Wegbegleiter, unter anderem:
Angela Winkler, Judy Winter, Ulrich Matthes, Klaus Wowereit, Claudia Geisler-Bading, Thorsten Merten, Nico Hofmann, Burghart Klaußner, Alice Dwyer, Sabin Tambrea, Jasmin Tabatabai, Andreas Pietschmann, Gitta Schweighöfer, Wanja Mues, Götz Schubert, Petra Zieser, Jonathan Kwesi Aikins, Julia Jäger, Sheri Hagen, Herbert Knaup, Ilona Schulz und Sathyan Ramesh.























IN ERINNERUNG AN MICHAEL MENDL
Marika George, Vorstandsvorsitzende der GÖTZ GEORGE STIFTUNG, begrüßte die Gäste und erinnerte zu Beginn an Michael Mendl. Der GÖTZ GEORGE PREISTRÄGER 2024 verstarb kurz vor der Preisverleihung.
Mit einer Sequenz aus dem von der Stiftung geförderten Filmprojekt STURZ & HESSE – SEITEN EINER REISE war seine Stimme noch einmal eindrucksvoll zu hören. Mendl rezitiert darin ein Gedicht von Hermann Hesse. Die Bilder des animierten Schmetterlings begleiteten einen Moment des gemeinsamen Erinnerns.
Mit einem feurigen „Buona sera!“ begrüßte Adriana Altaras danach gut gelaunt das Publikum. Sie führte mit Witz, Wärme und ihrer charmant temperamentvollen Art durch die Preisverleihung. Zunächst gab sie einen Einblick in die Arbeit der GÖTZ GEORGE STIFTUNG und stellte einen Auszug der aktuellen Förderprojekte vor: UNDINE GEHT von Sandra Julia Reils erzählt von einer 50-jährigen Frau, die sich von überkommenen Rollenbildern löst. Im Kurzfilm HUNDE, DIE BEISSEN, BELLEN NICHT von Nataly Dietz gerät eine 53-jährige Autorin in ein zunehmend toxisches Arbeitsverhältnis, welches ihr physisch und psychisch immer mehr zusetzt.Und in STURZ & HESSE – SEITEN EINER REISE von Beat Toniolo verbinden sich Literatur, Kunst und Animation zu einer Hommage-Collage über eine besondere Künstlerfreundschaft.

10 JAHRE GÖTZ GEORGE NACHWUCHSPREIS
Seit zehn Jahren vergibt die GÖTZ GEORGE STIFTUNG im Rahmen der FIRST STEPS Awards ihren mit 10.000 Euro dotierten Nachwuchspreis. Eine filmische Rückschau ließ Begegnungen, Auszeichnungen und emotionale Augenblicke auf und neben der Bühne aus diesen zehn Jahren noch einmal lebendig werden. Der GÖTZ GEORGE NACHWUCHSPREIS 2026 wird am 5. Oktober 2026 in Berlin verliehen.

WAS DIE GENERATIONEN EINANDER GEBEN
Wie eng die Förderung junger Talente mit der Wertschätzung älterer Künstlerinnen und Künstler verbunden ist, wurde anschließend auf besonders persönliche Weise deutlich. Drei ehemalig Nominierte des GÖTZ GEORGE Nachwuchspreises erzählten von Kolleginnen und Kollegen, die sie geprägt haben – und von dem, was sie von ihnen lernen.
Jonathan Kwesi Aikins würdigte Asad Schwarz, den er schon kannte, bevor er selbst Schauspieler wurde. Dessen Humor, Offenheit und Interesse an anderen Menschen habe er später auch in seinem Spiel wiedererkannt. Seine Würdigung verband er mit einem Appell an die jüngere Generation:
Jonathan Kwesi Aikins
Laura Balzer erinnerte an ein gemeinsames Gastspiel mit ihrer Kollegin und Freundin Josefin Platt in New York. Vor mehr als 2.000 Menschen genügte ein Blick durch den Glitzervorhang, ein Zwinkern – und der ganze Saal lachte. Für Balzer wurde dieser Augenblick zum Sinnbild dessen, was sie an ihrer erfahrenen Kollegin bewundert.
„Josi, Du bist für mich ein echtes Vorbild. Denn wo sind all die älter werdenden Schauspieler und Schauspielerinnen hin? Besonders fehlen die Frauen ab 50. […] Wie soll ich das lernen? Wenn nicht von dir? Ich habe die Ehre, mit dir zusammen auf der Bühne zu stehen und von dir zu lernen. […] Josi, du bist ein Geschenk. Das Alter! Das Alter ist ein Riesengeschenk und ein unfassbares Privileg für uns alle.“
Laura Balzer
Til Schindler sprach über seine Zusammenarbeit mit Heike Hanold-Lynch. Er würdigte ihre Spielfreude und ihre Offenheit – und verband seine Anerkennung mit einer deutlichen Forderung nach mehr Präsenz für ältere Schauspielerinnen.
„Die fehlende Repräsentation und Sichtbarkeit von älteren Schauspielerinnen im deutschen Film ist ein echter Skandal. Ihre Geschichten gehören erzählt, ihre Perspektiven zentriert, ihre Figuren protagonistisch gezeichnet. […] Heike Hanold-Lynch ist 64 Jahre alt, sie hat die Spielfreude einer Nachwuchsschauspielerin und sie ist eine echte Entdeckung.“
Til Schindler



DIE BEGRÜNDUNG DES VORSTANDS FÜR DEN GÖTZ GEORGE PREISTRÄGER 2026

Nach den persönlichen Würdigungen der jüngeren Generation galt der Blick nun dem Mann, zu dessen Ehren alle zusammengekommen waren: Christian Redl. Ein Schauspieler, der auf der Bühne ebenso zu Hause ist wie vor der Kamera. Der bedrohliche Figuren spielen kann, ohne sie auf das Böse zu reduzieren, und dessen leise Momente oft ebenso eindringlich sind wie seine großen Auftritte.
Marika George trug die von Anja Lamm verfasste Begründung des Vorstands vor. Diese würdigte nicht allein die Vielfalt seiner Rollen, sondern vor allem die besondere Art, mit der Christian Redl Menschen sichtbar macht – in all ihrer Widersprüchlichkeit, Verletzlichkeit und Unberechenbarkeit.
Auszug aus der Begründung des Vorstands
"Christian Redl gehört zu jenen Schauspielern, bei denen ein Blick, eine Bewegung, ein Schweigen genügen können, um die Tiefe einer Figur spürbar zu machen. Der Vorstand der GÖTZ GEORGE STIFTUNG ehrt mit Christian Redl einen Schauspieler mit unverwechselbarer Präsenz und außergewöhnlicher Ausdruckskraft. Ein Schauspieler, der Menschen nicht erklärt, sondern ergründet. Der ihre Widersprüche, ihre Verletzlichkeit und ihre Abgründe sichtbar macht und ihnen dennoch ihr Geheimnis lässt. Und der uns damit immer wieder daran erinnert, was große Schauspielkunst vermag.“
ULRICH TUKURS GANZ PERSÖNLICHE LAUDATIO AUF CHRISTIAN REDL
Die Laudatio übernahm ein Schauspieler, mit dem Christian Redl nicht nur viele Jahre gemeinsamer Theaterarbeit, sondern auch eine tiefe Freundschaft verbindet: Ulrich Tukur.
Tukur nahm zunächst am Klavier Platz und sang „Nacht“ – seine ganz eigene Interpretation eines Liedes von Christian Redl. Es war der musikalische Auftakt zu einer fast halbstündigen Hommage, in der sich Erinnerungen an gemeinsame Theaterjahre, feiner Humor, tiefe Verbundenheit und große Wertschätzung miteinander verbanden.
Ihre Geschichte begann am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Tukur erinnerte an die Arbeit mit Peter Zadek, an „Lulu“ und „Hamlet“, später an Yasmina Rezas „Kunst“ und die „Dreigroschenoper“. Aus anfänglicher Konkurrenz erwuchs über die Jahre eine innige Freundschaft und eine gemeinsame künstlerische Leidenschaft.
Aus Sorge um den Bedeutungsverlust der Sprache entwickelten die beiden den Abend „Vom Zauber einer verwehenden Sprache“. Eine von Christian Redls Rezitationen war Tukur besonders in Erinnerung geblieben: „Und jedes Mal, Christian, jedes Mal habe ich mich auf Theodor Fontanes Ballade ARCHIBALD DOUGLAS gefreut, die du, Christian, so wunderbar gesprochen und gelebt hast, dass mir mitunter die Tränen kamen.“ Auch Redls Ruf als Darsteller bedrohlicher Figuren kam zur Sprache. Woher sein Freund diese überzeugende Bösartigkeit nehme, sei ihm inzwischen ein Rätsel, sagte Tukur – und fügte trocken hinzu: „Vermutlich hat er sie gespielt.“
Vor allem aber würdigte Tukur den Menschen hinter den Rollen: einen Freund, mit dem ihn die Liebe zur Sprache und zur Musik verband und an dem er eine äußerst seltene Fähigkeit ganz besonders schätzt:
„Er, der die Fähigkeit zur Freundschaft und Treue hat, beherrscht auch etwas, das sehr selten unter uns Menschen zu finden ist, zumal in unserem Metier: Christian kann zuhören. Er wartet, bis deine Erzählung zu Ende ist und bereitet nicht schon – während man selbst am Sprechen ist – seine Gegenerzählung vor. Er hört zu, denkt und fragt nach und antwortet dann, oder auch nicht. Das scheint mir echte Kommunikation zu sein, die das Risiko eingeht, im lebendigen Austausch seine eigene Meinung zu ändern.“
Ulrich Tukur über Christian Redl



EIN LEBEN FÜR DIE SCHAUSPIELKUNST – DAS FILMISCHE PORTRÄT
Zu den besonderen Momenten der GÖTZ GEORGE PREISVERLEIHUNG gehört traditionell das filmische Porträt des Preisträgers. Auch in diesem Jahr hatten Jan-Peter Gehrckens und Sören Schlotfeldt einen Film geschaffen, der weit über einen Rückblick auf große Rollen hinausging.
Fast sechs Jahrzehnte Schauspielkunst entfalteten sich auf der Leinwand: von Christian Redls Theaterarbeit über seine Film- und Fernsehrollen bis zu aktuellen Interviewpassagen. Christian Redl erzählte selbst – mit seiner unverwechselbaren Stimme, seinem trockenen Humor und einem offenen Blick auf seinen künstlerischen Weg. So entstand ein vielschichtiges Porträt eines Schauspielers, der sich nie auf einen bestimmten Typus festlegen ließ.

Das filmische Porträt endete mit drei eindrucksvollen Bildern von Christian Redl aus verschiedenen Phasen seines künstlerischen Schaffens. Dann erklang die sanfte Stimme von Julia Jäger aus dem Off: „Der GÖTZ GEORGE PREIS 2026 geht an Christian Redl!“
Unter lang anhaltendem Applaus betrat Christian Redl die Bühne, auf der Marika und Tanja George ihn empfingen. Tanja George, die Tochter von Götz George, überreichte ihm die von ihr gestaltete Preisskulptur. Christian Redl hob sie hoch über seinen Kopf, während der Applaus anhielt. Sichtlich gerührt nahm er die Ovationen entgegen.
„Mein lieber Mann, eieiei, was werde ich jetzt machen?“ Mit diesen Worten begann der sichtlich gerührte Christian Redl seine Dankesrede. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit habe er sich nie besonders wohlgefühlt, erzählte er – als Schauspieler sei das leichter, da könne er sich hinter einer Rolle verstecken.
Er blickte zurück auf seine Anfänge vor 60 Jahren, auf seine Zeit am Deutschen Schauspielhaus und auf die erste Begegnung mit Ulrich Tukur, der ihn mit einem „furiosen Einstand“ zunächst gehörig ins Grübeln brachte. Aus der anfänglichen Konkurrenz wurde eine innige Freundschaft. Dass ausgerechnet Tukur an diesem Abend die Laudatio hielt, erfüllte ihn, so Redl, mit großer Dankbarkeit und Freude.
Er bedankte sich bei seinem Kollegen und Freund für seine wertschätzenden Worte und seinen Gesang – und scherzte, die beiden sollten vielleicht doch einmal gemeinsam eine CD aufnehmen.
„MEINE GEDANKEN SIND HEUTE ABEND BEI DIR, LIEBER GÖTZ.“
Zum Ende seiner Rede wandte sich Christian Redl in Gedanken an Götz George. Er erinnerte an einen Kollegen, der ihn künstlerisch herausgefordert hatte und dem er zugleich mit großer menschlicher Wärme begegnet war. Dass er nun einen Preis erhielt, der Götz Georges Namen trägt, verlieh diesem Abend für ihn eine besondere Bedeutung.
Adriana Altaras schloss den Abend mit den Worten: „Mann, Götz, ist das ein Abend.“ An Christian Redl gewandt fügte sie hinzu: „Ich danke Dir – vor allem für Deine Kunst.“



IMPRESSIONEN DES ABENDS


















Copyright Fotos: Oliver Walterscheid
EIN HERZLICHES DANKESCHÖN
Ein Abend wie dieser entsteht durch viele Menschen, die ihn mit ihrer Arbeit, ihrer Zeit, ihrem Können und ihrer Unterstützung möglich machen.
Unser ganz besonderer Dank gilt Jan-Peter Gehrckens und Sören Schlotfeldt für ihr eindrucksvolles filmisches Porträt von Christian Redl, das mit großer Sorgfalt und Gespür für den Menschen hinter dem Künstler entstanden ist. Möglich wurde dieser Blick auf nahezu sechs Jahrzehnte seines Schaffens auch durch all jene, die Fotografien und Archivmaterial zur Verfügung stellten. Besonders wertvoll waren die Aufnahmen seiner ersten Theaterauftritte, die uns die Freie Waldorfschule Kassel, Gesine Bozkurt und Peter Baum zugänglich machten. Auch dem St. Pauli Theater Hamburg sowie den Fotografen Jim Rakete, Thomas Leidig und Manfred W. Jürgens gilt unser herzlicher Dank für ihre Unterstützung und ihre Bilder.
UNSER DANK GEHT AUCH AN …
- Gianna Cherchi und Julian Fricke für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Abends.
- Gitta Deutz für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und ihr großes Engagement in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
- Casino Royal für die kulinarische Begleitung unserer Gäste.
- Elisa Rüge und ihr Team mit Samira, Bentje und Lea für ihre wie immer hochprofessionelle Begleitung des Abends.
- Tom Weichenhain für das Video-Editing.
- Christa und Lübbo Roewer für ihren unermüdlichen, leidenschaftlichen Einsatz als Weinbotschafter des BÜHNENZAUBERS.
EIN BESONDERER DANK GEHT AUCH AN UNSERE PARTNER UND SPONSOREN
